Braunschweiger Zeitung 10.02.2010:

Fünf Freunde frenetisch gefeiert

Die A-Cappella-Gruppe Wise Guys in der ausverkauften Braunschweiger Stadthalle

Von Henning Thobaben

Sie sind erfolgreich, auch wenn ihren Namen noch nicht jeder kennt. Wise Guys? Eine dieser austauschbaren Boy-Bands? Falsch. Die A-cappella-Gruppe füllte die Braunschweiger Stadthalle Montagabend bis auf den letzten Platz und ist eine feste Größe im Musikgeschäft.

Vielleicht auch deshalb, weil die Geschichte der Jungs so schön ungekünstelt klingt: Fünf Gymnasiasten aus Köln machen Ende der 80er Jahre zusammen Musik. Entwickeln sich von Blechbläsern zu Rockmusikern. Bleiben übers Abitur hinaus zusammen und landen letztlich beim reinen Vokal-Gesang.

Ihren eigentlich eher unpassenden, weil leicht schwülstig klingenden Bandnamen geben sich die "Besserwisser" aus einem Grund: Im Unterricht hatten sie oft das letzte Wort. Dass sie nicht auf den Kopf gefallen sind, beweisen die Musiker mit ihren deutschen Texten.

Daniel "Dän" Dickopf gilt als Kreativzentrale und schreibt Songs über das Leben, die Liebe, den Schmerz oder Beobachtungen des Alltags. Meist mit jeder Menge Wortwitz gespickt. Dickopf ist es auch, der im Konzert die meisten Songs ausführlich ansagt. Seine einstigen Schulkumpels sind nicht mehr alle dabei. Zwei Mitglieder wurden über die Jahre ersetzt.

Natürlich stehen in der Stadthalle die Stücke des Ende Januar erschienen Albums "Klassenfahrt" im Mittelpunkt. Von "Hamlet" im Hip-Hop-Stil bis zum melodischen, aber Ängste thematisierenden "Im Flugzeug". Das Album hat sich mittlerweile auf Platz 2 der deutschen Album-Charts geschoben – wie auch schon der Vorgänger "Frei".

Die Show ist angenehm schlicht gehalten. Keine übertrieben schnieke Kleidung, nur dezente Choreographien, wenig Effekte. Dafür herrscht familiäres Flair. Immer wieder plaudert Dickopf darüber, wie sehr die Texte von den Fans beeinflusst werden. Kündigt gegen Ende an, dass man sich nach der Show im Foyer blicken lasse. Auf seine Frage, wo man in Braunschweig feiern gehen könne, folgt prompt der Zuruf aus dem Publikum: "Bei mir!"

Gut und gern ein Viertel der Zuschauer dürfte noch minderjährig gewesen sein. Nach heftigem Mitklatschen, Mitsingen und Mittanzen wandert die Menge erst nach der dritten Zugabe ab. Weil das Licht angeht. Allein der Refrain "Hier fliegt gleich alles in die Luft" im Schlusslied hätte sie angesichts ihrer Begeisterung wohl nicht abschrecken können.