Unser USA/Kanada-Foto-Tagebuch, Teil 3: Donnerstag, 24.10.: New York
Nachträglich ein paar Eindrücke vom Helikopterflug vom Vortag:
Achtung,...
...fertig,...
...los!!!
Eine fototechnische Glanzleistung von Eddi, der hier aus der Hand die extreme Schräglage des Hubschraubers ausgleicht. Leider existieren keine Bilder von Eddi, Sari, Clemens oder Erik direkt nach der Landung.
Der New Yorker an sich versteckt einen weichen Kern hinter einer eher rauhen Schale.
Ein weiterer freier Tag im „Big Apple“: Was will man mehr? Nach so einer intensiven gemeinsamen Zeit ist es schön, mal nicht mit allen anderen gleichzeitig zusammen sein zu müssen. Ferenc und Eddi bringen den Wagen zurück und essen einen bis zum Anschlag gefüllten Bagel. Dän geht „shoppen“. Erik und Sari lassen noch einmal die Straßenschluchten auf sich wirken. Und Clemens liest eine Stunde lang in der Hotellobby sein Buch, weil Ferenc ihm „12 Uhr“ gesagt hatte, obwohl der Treffpunkt erst um 13 Uhr war.
Mittags wollen die meisten ins Guggenheim-Museum. Einzig Ferenc zieht es vor, andernorts dem Konsum zu frönen – aber er kennt das Museum auch von einem früheren Besuch.
So, das Parkhaus hätten wir dann ja schon mal gefunden. Aber wo ist das Museum?
Als die anderen es schließlich dorthin geschafft haben, ist es geschlossen, wie immer donnerstags. Eigentlich hätten wir das wissen können, wenn wir auf unserem Infoblatt nicht nur die Ermäßigungsbedingungen, sondern auch die Öffnungszeiten beachtet hätten. Der Frust ist nicht gering. Doch es soll nicht das letzte Mal bleiben, das wir an diesem Tag unsere Pläne umstellen müssen.
Relativ deutliche Ankündigung vor dem Museum. Wir haben verstanden.
Doppelter Schmerz über entgangenen Kunst- bzw. Architekturgenuss sowie über die eigene Blödheit, hier mimisch umgesetzt von Clemens, unserem Leidensexperten.
"Wirklich, Mutti, wir wollten ja ins Museum, aber es ist zu!"
Zum Glück ist das Goethe-Institut nur wenige Blocks entfernt, und noch einmal dürfen wir den wunderbaren Konzertsaal nutzen, diesmal für eine Probe. Neue Stücke stehen auf dem Programm, denn noch immer sind die CD-Aufnahmen nicht ganz abgeschlossen: Im November werden wir noch einmal ein paar Tage ins Studio gehen. Sollte die geneigte Leserschaft sich jemals den Titel „Du Doof!“ anhören, wird sie sich vielleicht daran erinnern, dass dieser Song in New York geprobt wurde.
- "Folgen Si dem Taxi da!"
- "Welchem?"
- Na, dem gelben!"
Für den Abend haben wir uns einen Besuch beim Musical „Stomp“ vorgenommen. Die Karten kauft man am Besten an der Abendkasse, haben wir erfahren. Nach einer langen Fahrerei sind wir endlich am Theater. Dort verlangt man 60 Dollar pro Kopf. „Nein, auf gar keinen Fall. Also 60 Dollar zahle ich niemals für eine Konzertkarte!“ – Worte unseres Gesangscoaches Erik, der nun mal gebürtiger Schwabe ist. Aber auch den WISE GUYS kommt der Eintritt recht saftig vor, und man verlegt sich erst mal in den nächsten „Starbucks“, um bei einem ordentlichen Kaffee einen Alternativplan zu erstellen.
Dort treffen wir rein zufällig die New Yorker Fotografiestudentin Kris, die wir erst sechs Tage vorher bei unserem Konzert kennengelernt haben. Sie ist mit zwei Deutschen unterwegs. Es kristallisiert sich die Idee heraus, einmal in New York Straßenmusik zu machen. „Back To The Roots” sozusagen. Kris empfiehlt uns den Times Square, wo man oft Straßenmusiker findet.
Das häufige Durchqueren von Manhattan scheint heute unser Schicksal zu sein. Mit der U-Bahn fahren wir zum Times Square und suchen dort nach einem geeigneten Auftrittsort, wobei wir zunächst einige andere Künstler beobachten, u.a. einige muskulöse Breakdancer (der Junge ist fünf Jahre alt).
Wenn der Vater...
...mit dem Sohne...
Schließlich legen wir los, einige Zuhörer bleiben bei „Charlie Razzamatazz“ stehen. Wir freuen uns darüber, dass es vor allem Schwarze sind, denen diese Jazz-Hommage zu gefallen scheint. Bei allem Spaß: Das Donnern der U-Bahnen ist hier zu laut, und wir ziehen nach zwei Songs weiter.
Wir sind Touristen und möchten gerne Geld ausgeben.
Der Times Square hat neben unwahrscheinlichen Leuchttafeln und Menschenmassen unter anderem auch einen großen Spielwarenladen - "Toys'r'us" auf vier Etagen! - zu bieten, den wir jetzt besuchen. Dort entkommen wir nur knapp einem von einem sadistischen Kleinkind ferngesteuerten Superkaninchen und beschließen, uns eine gemütliche Bar zu suchen. Nach einer halben Stunde Suche in der Umgebung des Times Square erläutert uns die New Yorkerin Kris, dass Kneipen und Bars eher in der Gegend zu finden sind, in der wir uns eine Stunde vorher aufgehalten haben. Also zurück in die U-Bahn? Pustekuchen: Die Station ist geschlossen.
Wir versuchen, ein Taxi anzuhalten. Etwa 20 Taxen fahren an uns vorbei, weil sie besetzt sind. Es fängt an zu regnen. Die Stimmung ist an einem Nullpunkt angekommen. Wir sind kurz davor, uns auf die Straße zu werfen und einen Autofahrer zu zwingen, uns mitzunehmen. Da hält eine lange weiße Stretch-Limo neben uns, und der Fahrer fragt, wo wir hinwollen. Er bietet uns an, uns alle (also neun Personen) für 45 Dollar dorthin zu bringen. Tja, wenn nichts mehr klappt, wird alles gut. Denn diese Gelegenheit wird sich (ähnlich dem Hubschrauber-Rundflug) nicht so schnell nochmal bieten. Wir schlagen zu und genießen 20 Minuten Fahrt durch New York City aus der Perspektive von Superstars. Die Musikanlage drehen wir natürlich bis zum Anschlag auf.
Erik, Kristen und Eddi am anderen Ende der Stretch-Limousine.
Abschiedsfoto vor dem ersten Viertel des Wagens.
Und dann findet der Abend tatsächlich noch einen glücklichen Abschluss. Die Bar "Telephone" bietet uns für die nächsten drei Stunden eine feucht-fröhliche Heimat.
In der Bar wird auf schockierende Art und Weise deutlich, dass es dringend Zeit wird, nach Deutschland zurück zu fahren: Innerhalb des WISE-GUYS-Trosses nehmen die homoerotischen Neigungen überhand. Die folgenden Bilder würden wir Euch eigentlich gerne vorenthalten, aber Wahrheit muss sein. Eddi und Erik kommen sich näher:






Am Ende können sie die Hände einfach nicht voneinander lassen.
Als der Barkeeper mit Hausverbot droht, reißen sich aber alle wieder zusammen.
Das Bier schmeckt so gut, dass Dän, Erik und Eddi in der Nähe des Hotels noch im „Deli“ ein paar Dosen kaufen und im Zimmer weiterfeiern, während Jay Leno im Fernsehen läuft. Die Nacht wird dementsprechend kurz.
Freitag, 25.10. New York/Washington D.C.
Unsere letzte Reise innerhalb der USA legen wir mit dem Zug zurück: „Amtrak“ heißt der und ist eigentlich nicht besonders spannend; interessant ist lediglich, dass man trotz vorherigen Fahrkartenbesitzes nicht einfach einsteigt, sondern ähnlich wie am Flughafen eincheckt.
Gemein: Wie anhand der Zugbeschriftung erkennbar, ist für unseren Gesangs-Coach Erik ein ganzer Wagen reserviert worden. Wir Fünf reisen im Gepäcknetz.
Auch die Strecke von New York City nach Washington D.C. ist landschaftlich weit weniger weniger spekatakulär als vieles, was wir zuvor haben sehen dürfen. Eine gute Gelegenheit also, sich während der knapp 3,5 stündigen Fahrt von den „Strapazen“ Manhattans zu erholen.

Vorläufiges Ende Einer Dienstafhrt.
Wir müssen zugeben, dass auch wir uns der Sniper-Hysterie, also der Aufregung um den Heckenschützen im Großraum Washington, nicht ganz haben entziehen können. Dass das Killerduo einen Tag vor unserer Ankunft endlich gefasst wird, kommt natürlich zu spät, aber man spürt, dass das ganze Land aufatmet, trotz aller Trauer um die Opfer. Viele Menschen waren tagelang nicht mehr auf der Straße, jetzt kehrt das Leben zurück.

Puh, das war knapp: Der bzw. die "Sniper" wurden gefasst.
Nach Washington D.C. zu fahren, ist für uns beinahe schon vertraut; wir haben bei unserem ersten Konzert dort im November 2001 viele nette Leute kennen gelernt, zum Teil sogar Freunde gewonnen. Einer von ihnen ist Mohammed Esa. Zusammen mit Eleonore ("Leo"), der Vize-Chefin des Washingtoner Goethe-Instituts, holt er uns vom Bahnhof ab.
Alles ist wieder so schön wie im letzten Jahr: Wir quetschen uns wieder in Mohammeds Van, dessen Fahrstil sich innerhalb der letzten zwölf Monate ebenso wenig geändert hat wie seine dankenswerte Bereitschaft, hier und da kleine Umwege zu fahren, um uns Anekdoten zum Leben und zur Geschichte Washingtons zu erzählen. Mohammed ist ein extrem freundlicher und lebenslustiger Typ, den wir schon im letzten Jahr direkt ins Herz geschlossen hatten.

Dr.Mohammed Esa während unseres Konzerts in Washington.
Die Eincheckzeremonie im Hotel erreicht diesmal einen zeitlichen Umfang von fünfunddreißig Minuten. Das ist sogar für amerikanische Verhältnisse Rekord. An dieser Stelle unsere herzlichen und dankbaren Grüße an alle deutschen Hotelrezeptionen, mit denen wir es je zu tun hatten: Ihr seid viel, viel schneller und besser, als wir je gedacht hätten.
Zeit zum Ausruhen bleibt nicht mehr. Wir essen was, nehmen die Metro zum Goethe-Institut und bereiten uns auf die Show vor.

Die wahrscheinlich längste Rolltreppe Washingtons.
"Bei Goethe" in Washington treffen wir viele bekannte Gesichter vom letzten Jahr und werden superfreundlich empfangen.

Dän mit Rekha vom Goethe-Institut
Bill Gilcher ist da, Dan Hamilton vom Sommercamp "Waldsee", der unsere USA-Kontakte seinerzeit ganz entscheidend voran gebracht hatte (dafür nochmals herzlichen Dank!), Deutschlehrerin Amy, Rekha vom GI und viele andere. Es ist toll wieder hier zu sein!
Wir stellen während der Probe mit Erik fest, dass der für uns vorgesehene (sehr schöne) Kinosaal akustisch eine Katastrophe (weil unglaublich trocken) ist. Wir ziehen in Absprache mit unseren Gastgebern in einen anderen Saal um. Das Konzert wird stimmungsmäßig das Schönste der Tour. Und das Beste ist, dass Erik inzwischen die Kamera mit schlafwandlerischer Sicherheit beherrscht (das bedeutet, dass er sich nachher an kein Bild mehr erinnern kann). Hier ein paar Beispiele:

Die Kotz-Szene bei "Kinder"

"Ich will keine a-cappella" mit leichtem Gelbstich.

Als Dankeschön gibt es von Mohammed und seiner "Crew" zum Abschied T-Shirts mit einem Foto vom letzten Jahr.

Standing Ovations am Schluss.
Auch beim Afterglow knüpfen wir an die Tradition vom Vorjahr an. Wir feiern im "Capitol", wo es bekannter Maßen ja auch Kölsch gibt, und haben einen wunderbaren Abend mit vielen netten Leuten.
Am nächsten Tag fliegen wir nach Deutschland zurück. Dän, der am 27.10. Geburtstag hat, wundert sich, warum er die anderen fünf um 2:00 Uhr deutscher Zeit (nach der Zeitumstellung auf Winterzeit) in der Bordküche antrifft. Aber ein Glas Sekt und ein Geburtstagsständchen machen klar: In der Maschine ist quasi soeben Mitternacht. Gelungene Überraschung, denn die Stewardessen hatten nach der Anfrage der anderen erstmal mit Hilfe des Co-Piloten ausrechnen müssen, wann man in welcher Zeitzone vom Beginn des 27.10. hatte ausgehen können.
Am Sonntag landet die Maschine dann sicher in Frankfurt, noch bevor der Orkan unserer Tour ein wackeliges Ende hätte bereiten können. Ein passendes Schlussbild für diese Tour: Et hätt noch immer jot jejange!
Unser Dank geht an alle Beteiligten, Organisatoren und Zuschauer in den USA und in Kanada!
| So., 20.05.2012 | Stuttgart |
| Fr., 25.05.2012 | Wuppertal |
| Do., 31.05.2012 | Trier |
| Fr., 01.06.2012 | Saarbrücken |
| Mi., 20.06.2012 | Lübeck |










