Die Wise-Guys-Insel-Tour-2006-Fotostory
Liebe Daheimgebliebene und Vonunterwegssurfende,
von einem wie eigentlich alles hier rasant überteuertem Internetcafé melden wir uns mit den ersten Bildern von unserer Inseltour. Es geht uns sehr gut, was nicht nur an den Inseln selbst und dem leichten Urlaubs-Charakter dieser Tour liegt, sondern auch ganz einfach daran, dass es toll ist, wieder auf der Bühne zu stehen.
Viel Spaß mit unserem Inseltagebuch!
Samstag, 5.8. bis Montag, 7.8.: SYLT
Der Insel Sylt haftet nicht erst seit dem Ärzte-Song "Westerland" etwas Elitäres, Schickimickihaftes an. Gleichzeitig hat die Insel immer wieder auch große Künstler magisch angezogen und inspiriert. Unendlich viel ist über dieses Phänomen geschrieben worden, Etliches davon sehr gut. Allerdings haben wir fünf nichts davon gelesen.
Ganz im Gegenteil.
Wir wussten ja noch nicht mal so richtig, dass man gar kein Schiff braucht, um nach Sylt zu kommen. So gesehen stellt sich ja die Frage, ob Sylt überhaupt als "Insel" bezeichnet werden sollte, oder nicht doch lieber als "Küstenkleinstadt mit ziemlich schmalem Zugang". Jedenfalls hätten wir uns einigen Streit erspart, wenn man uns das vorher gesagt hätte. Clemens war nämlich sogar beim Lesen im Auto auf der Rückbank genervt...
...und konnte sich kaum auf sein Buch konzentrieren, weil Ferenc...
...beim Fahren nie die Augen auf die Straße gerichtet hatte! Es hatte sich leider nicht bis zu uns hinten im Van herumgesprochen, dass wir uns auf einem....
...Autoreisezug befanden.
Auf der "Insel" angekommen, begaben wir uns natürlich gleich zum Strand. Hier die nächste Überraschung: Der Strand bei Westerland ist hermetisch abgeriegelt. Will man ihn betreten, muss man an Schranke und Kassenhäuschen vorbei, nachdem man einen entsprechenden Obulus ("Kurtaxe") entrichtet hat. Das Personal in unserem Fall weckte sanfte Erinnerungen an die Grenzposten bei früheren Fahrten in die DDR, allerdings wurden wir nicht festgehalten.
Gegen das Entrichten von Kurtaxe-Gebühren ist prinzipiell nichts einzuwenden. Die Gemeinden finanzieren davon Etliches, was das Touristenleben verschönert:
Zum Beispiel hübsch gestrichene Zäune, die Menschen wie Sari daran hindern, auf den Strand zu fallen....
...und abends sehr geschickt installierte, romantische Beleuchtung.
Wir zahlen gerne Kurtaxe!
Übrigens ist in dem Preis auch die Nutzung der Nordsee als Bade- und Schwimmgelegenheit enthalten. Also stürzten wir uns sofort in die Fluten. Schon aus ökonomischen Gründen.
Der geneigte Beobachter wird bemerken, dass Sari seinen Badeanzug (siehe letzte Fotostory) zu unserer Freude nicht dabei hatte. Durch die etwas knappere Bekleidung war Sari körperlich wesentlich flexibler als früher...
...und konnte den bedrohlichen Wellen besser ausweichen.
Clemens, sonst eigentlich eher Berg-Män, zeigte sich erstaunlich beeindruckt vom 22-Grad-warmen Wasser und den guten Wellen. Für einen Moment hätte man glauben können, er habe Spaß - und so war es auch. Weniger lustig, genau genommen wieder einmal ausgesprochen traurig, war hingegen Eddis Wellen-Performance, die man im Folgenden einfach mal unkommentiert auf sich wirken lassen sollte:


Als Inseltourberichterstatter war ich gezwungen, diese Darbietung fotografisch zu dokumentieren, ich wandte mich jedoch gleich darauf...
...mit vor Entsetzen schiefsitzender Sonnenbrille vom Geschehen ab. Wir verließen schweren Herzens den Strand und setzten uns in ein Café. Rund sechs Wochen hatten wir nun keine Konzerte mehr gegeben und stellten uns vor unserem "Comeback" in Westerland am folgenden Tag einige wichtige Fragen:
Zum Beispiel: "Wie geht das noch mal, 'Konzert'???", und:
"Waren wir nicht mal zu fünft?"
Am Tag des Konzerts kam die Erinnerung schrittweise zurück: Vor dem Konzert muss der Sound gecheckt werden. Die Lautstärke und so. Wir haben dafür eigens Männer, die das alles machen (z.B. einen "Herrn Dr.Klose") und ein paar andere, die sehr helle Lampen auf unsere Gesichter richten, damit uns nicht kalt wird. Wir haben einen tollen Job! Auf Sylt gab es sogar ein paar Leute, die uns...
....beim Singen zuschauen wollten. Das freute uns sehr, zumal beim Schwimmen im Meer weit und breit niemand da war.
Föhr: Montag, 7. August 06
Nach einem ersten Eintrag von Dän folgt nun einer von Eddi. Das liegt daran, dass die Fahrt von Sylt nach Föhr zwar für einige von uns (u.a. Dän) im Auto erfolgt. Für Ferenc, Clemens und mich (Eddi) stellen dagegen unsere Freunde aus Hamburg (Marion und Harald – an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön!) ihr Boot zur Verfügung. Gott, war das ein komplizierter Satz.
Ferenc war ja schon in jungen Jahren bei der Marine, und daher weiß er genau, wie man jede Bootsfahrt beginnt:
Und zwar wird dabei selbstverständlich eine Champagnerflasche zertrümmert. In diesem Fall handelt es sich um eine Gummi-Champagnerflasche, damit die Scherben das Naturschutzgebiet Nordsee nicht belasten.
Clemens mit Bord-Hund Nellie. Nellie hat eine Schwimmweste, daran befindet sich ein Griff, um sie ggf. aus dem Wasser zu fischen oder mit ihr das Boot zu reinigen.
Ein letzter Blick zurück auf Sylt...
...dann gibt Harald (bei der Wasserschutzpolizei Hamburg tätig) richtig Gas.
Nach fünf Wochen Urlaub hat uns der Stress des Arbeitens endgültig wieder eingeholt. Im vorderen Bootsbereich links Nina, also Steuerbord, obwohl das sonst recht ist; rechts Eddi, also Backbord, obwohl das sonst links ist. Hinten links, also rechts, Clemens mit einer japanischen Schultermuskelübung (völlig sinnlos, da er gar keine Schultern hat); ganz hinten Harald in völliger Verzweiflung über meinen Humor.
Nach einiger Zeit darf Ferenc als alter Seebär auch mal das Steuer übernehmen. Vorher war Ferenc allerdings auch schon sehr glücklich, weil er an dem Fahrradreifen hinter ihm drehen und sich dabei vorstellen durfte, er lenke das Boot.
Plötzlich wird Eddi vom Geist des Umweltschutzes erfasst. Völlig provokationslos befreit er die Kajüte für Greenpeace...
... und ergreift daraufhin die Flucht.
Clemens sieht sich als Stellvertreter der Wasserschutzpolizei und nimmt sofort Verfolgung auf. Es entbrennt...
...ein verzweifelter Kampf, wie man vor allem an Clemens’ hassverzerrtem Gesicht erkennen kann.
Beide schweben minutenlang in Lebensgefahr...
... bis es Clemens schließlich gelingt, seinen Gegner vom Seil loszutreten und das Boot für die Wasserschutzpolizei zurückzuerobern.
Eddi befindet sich danach in der Notaufnahme auf der rechten, also linken Seite des Bootes. Er wird nie wieder sehen können. Aber was tut man nicht für den Umweltschutz.
Währenddessen sind Sari und Dän auf der Insel Föhr angekommen und beginnen, nichtsahnenden Insulanern auf den Rücken zu schreiben.
„Im Fall einer plötzlichen Autogrammstunde fallen Kopfhörer aus der Decke. Bitte bleiben Sie ruhig und geben Sie erst sich selbst ein Autogramm, bevor Sie Kindern neben sich helfen.“
Das Wiedersehen der Wise Guys ist so herzlich, dass das Konzert – wieder ein Stehkonzert – ein voller Erfolg wird. Und gleichzeitig ein Rekord: Zum ersten Mal schläft jemand während des Konzertes auf der Bühne ein.
Juist: Donnerstag, 10. August 06
Wegen des großen Erfolges schreibt Eddi leider auch den folgenden Eintrag.
Dienstag, 8. August 06. Noch ist alles in Ordnung. Getarnt durch einen unauffälligen Schriftzug
(„Hertz“)
und geschützt durch andere Güterfahrzeuge schaukelt unser Technik-LKW auf einem ganz normalen Frachter von Föhr über die Nordseewogen Richtung ostfriesische Insel Juist.
Dort operieren allerdings die international gesuchten Trickdiebe Hanni und Nanni (vorne rechts im Bild). In einem unbeobachteten Augenblick transferieren sie einen großen Teil unseres wertvollen Equipments auf ihr Schnellfahrzeug...

...und entkommen auf der autofreien Insel, um bei einem Hehler alles in riesige Mengen Hafer umzutauschen.

Augenblicklich setzen sich unsere Top-Agenten C.L.M.N.S. und D.Ä.N. in ein futuristisches Raketenflugzeug ...

... um von Norddeich nach Juist überzusetzen und dort ...

... die unerbittliche Verfolgung der genialen Trickdiebe aufzunehmen.

Sari und Eddi: „Wir haben von der ganzen Sache überhaupt nichts mitbekommen. Das ist aber auch kein Wunder, denn wir sind vor Kurzem verrückt geworden und bekommen seitdem von gar nichts mehr was mit, auch nicht von Gentechnik.“

Währenddessen sind skrupellose Hehler bereits dabei, die Ware abzuladen.

Nur durch den selbstlosen Einsatz unseres Audiobetreuers Eric Neubert während einer atemberaubenden Verfolgungsjagd ...

... - hier hechtet er beispielsweise völlig motivationslos in den LKW - ...

... – hier hat er die Diebe bereits fast eingeholt und bedroht sie („Ich habe einen Ellenbogen, und ich werde ihn benutzen!“) - ...

...gelingt es, das Equipment sicher wieder zurückzuholen. Hier reiten Eric Neubert und unser LKW-Fahrer Christoph Winkel einer glücklicheren Zukunft entgegen, während Hanni und Nanni (bürgerliche Namen: Enno und Onno Akkermann) ihre Schuld eingesehen haben.

9. August 06. Auch Agent F.RENZ macht sich auf den Weg, um die gefürchteten Trickdiebe zu fangen. Dass sie bereits geschnappt wurden, ist ihm egal:

„Dienst ist Dienst, geschnappt ist geschnappt“, sagt er fröhlich, und fröhlich sein ist bekanntlich die Hauptsache. Gerade beim Konzert.

Clemens feiert den gelungenen Auftritt auf Juist in der ihm eigenen Maßlosigkeit: Bier oral und Nikotin ohral. Nein, diese Künstler.
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In den letzten Tagen erreichten uns viele Zuschriften. Die meisten hatten mit der Fotostory überhaupt nichts zu tun. Jedoch gewannen Eva und Berit mit ihrem Einwand zur letzten Folge der Fotostory das niemandem bekannte Preisrätsel der Woche: „Welches Foto gehört nicht dazu?“ („Als Juistkonzertbesucher mussten wir leider auf den ersten Blick feststellen, dass dir ein Foto des Syltauftritts dazwischen gerutscht ist.“) Leider ist auch der Preis für das Preisrätsel unbekannt.
Keine e-mail fragte danach, was wir denn nun zum Henker während unserer freien Tage auf Juist eigentlich so gemacht haben. Dennoch wollen wir diese Frage hier beantworten. Nun, während Ferenc ...

... in Köln zu tun hatte und auf seinen Rückflug nach Juist wartete, ...

... haben wir anderen natürlich vor Allem eines getan: mit unserem Gesangscoach und Feng-Shui-Lehrer Erik Sohn geprobt. Zwischendurch hatten wir auch mal hier und da ein paar Minuten, um ...

... am Strand zu sein und dort ...

... unsere Zungen- und Kiefermuskulatur zu trainieren oder ...

... einfach nur mal Freunde zu sein.

Zwischendurch trafen wir uns auch zum Gebet zuhause bei Pfarrer Tewinkel.

Noch Fragen??

Ferenc wartet derweil bisher 29 Stunden auf seinen Rückflug. Unser Rat: Vorher in den Flugplan gucken.
Norderney: Freitag, 11. August 06

Gewinner unseres morgendlichen Arnold-Schwarzenegger-Lookalike-Wettbewerbs vor der Abfahrt nach Norderney war eindeutig Sari.

Erik versucht seine Enttäuschung über den zweiten Platz zu verbergen und erhält dabei Trost von Pfarrer Tewinkel, der ihn darauf hinweist, ...

... dass dieser Frachter uns von Juist nach Norderney bringen wird.

Erik (denkt): „Jetzt geht’s mir besser. Denn auf diesem Frachter werde ich dafür sorgen, dass Sari verschwindet und der erste Platz des Arnold-Schwarzenegger-Lookalike-Wettbewerbs wieder mir zugestanden wird.“

Sari (denkt): „Hmmm, ob die zwei vorhaben, mich wegen Platz eins gleich von Bord zu werfen?“ – Erik (denkt): „Denkst du dasselbe wie ich, Eddi?“ – Eddi (Platz 3) (denkt): „Denkst du dasselbe wie ich, Erik?“

Zu Eriks Überraschung verbünden sich jedoch kurzfristig doch Eddi und Sari gegen ihn. Die Belegschaft des Frachters verabschiedet sich vom langjährigen Gesangscoach durch ein Seebegräbnis der Klasse 4.

Dän möchte ohne Erik jedoch nicht weiter machen und hat eine Idee.

Dän: „Ich habe eine Idee.“

Dän: „Wir müssen alle zusammen die Feng-Shui-Übung ’Flug des Wellenkamms’ ausüben, um Erik zu uns zurück zu teleportieren.“

Tonmann Igor Kavulek steigt voll auf diese Idee ein. Er hat den Schwarzen Gürtel in Feng-Shui während seiner Militärzeit in Kirgudistan erworben.

Clemens unterstützt die Feng-Shui-Energie, indem er ein paar Runden um Igor herumjoggt.

Auch Ferenc (mittlerweile 2 Jahre, 4 Monate, 8 Tage und 3 Stunden Wartezeit) verstärkt die Energie telekinetisch, und allmählich...

... braut sich etwas über der Stelle zusammen, an der Erik Sohn im Meer versunken ist, bis sich schließlich ...

... der geliebte Gesangs- und Feng-Shui-Lehrer direkt neben dem meditierenden Dän materialisiert.

Den Rest der Überfahrt auf dem Frachter verbringen alle ...

... bis auf Eddi und Sari, deren Wut und tiefe Enttäuschung vielleicht verständlich ist, ...

... in Frieden und großer innerer Ruhe.

Das strahlt sogar abends in Norderney auf unser Publikum aus!

In Wirklichkeit war auch hier, wie auf allen Nordsee-Inseln, das Publikum heiter bis ekstatisch. Das Konzert hat uns allen wieder sehr gut getan. Vielen Dank an alle Besucherinnen und Besucher!
Borkum: Sonntag, 13. August 06
(letzter teil des Tagebuchs, von Sari)

Nach einem viel zu kurzen Tag müssen wir Norderney wieder verlassen und während die Insel uns „Tschüss agt“, ist uns eher nach winken und weinen. Weiter geht es per Pilot.

Ein Blick auf seine Ohren verrät uns gleich: Unser Pilot ist ein alter Hase und bringt uns sicher nach Borkum.

Auf Borkum müssen wir lernen, dass es sich hierbei um eine „Nsel“ handelt. Damit wollen die Insulaner – entschuldigung: Nsulaner - womöglich auf ihre herzhaft selbstironische Weise buchstäblich zum Ausdruck bringen, dass ihr Eiland auf einer Seite mehr und mehr vom Meer geschluckt wird und schrumpft.

Als erstes stärken wir uns im Fischrestaurant „Seehund“ und Eddis Gesicht lehrt uns: Fricher Fich macht glücklich.

Am Tag nach dem Konzert nutzen wir die letzten Stunden vor der Abreise zu einem Ausflug zum Strand. Während Clemens und ich uns die Sonne auf den Pelz scheinen lassen, ...

... surft unser furchtloser Gesangscoach Erik in den Wellen. Doch er ahnt nicht, welche Gefahren hier auf ihn lauern:

In den Wellen taucht plötzlich ein seltsames Wesen auf und Sekunden später ...

... entsteigt ein schreckliches Monster den Fluten und will sich über Erik hermachen. Doch bevor es zum Kampf zwischen den beiden kommen kann ...

... kackt ein Wattwurm dem Monster auf den Kopf.

Auch Erik hat es erwischt. Und anstatt sich zu prüglen ...

... befreien sich die beiden nun gegenseitig von ihrem überraschenden Kopfschmuck.

Anschließend verpassen sie sich gegenseitig ein Sand-Peeling, um dann gemeinsam ...

... für das örtliche Heavy-Metal-Magazin „Watt auf die Ohren“ zu posen.
Alles in Allem hat uns die Tour so gut gefallen, dass wir im nächsten Jahr wieder auf die Inseln wollen. Bei der Gelegenheit ...

... holen wir auch Ferenc ab, der noch immer gut gelaunt auf auf seinen Piloten wartet.
| So., 20.05.2012 | Stuttgart |
| Fr., 25.05.2012 | Wuppertal |
| Do., 31.05.2012 | Trier |
| Fr., 01.06.2012 | Saarbrücken |
| Mi., 20.06.2012 | Lübeck |










